Unerfüllter Kinderwunsch:
Das sollten Angehörige, Freunde und Kollegen wissen

Bei ungewollter Kinderlosigkeit fühlen sich Angehörige, Freunde und Kollegen oft rat- und hilflos. Fragen sich: Wie soll ich mich verhalten? Ist das wirklich so schlimm? In diesem Blogpost nehme ich dich mit in die Welt der unfreiwilligen Kinderlosigkeit und beschreibe, was Betroffene belastet und wie du helfen kannst.

Portrait von Claudia Moser
Ungewollte Kinderlosigkeit ist tabubehaftet. Aus Scham und Angst vor Beurteilung scheuen sich viele Betroffene, darüber zu sprechen. Gleichzeitig schmerzt es, sich im Leid allein zu fühlen. Ungewollt kinderlos zu sein, ist für viele Betroffene schwer zu verkraften.
 
Warum das so ist und wie man als nahestehender Mensch helfen kann, erfährst du in diesem Artikel.

1. Du kannst das Problem nicht lösen

Für Nahestehende ist es oft schwer mitanzusehen, wenn sich bei Angehörigen und Freundinnen der Wunsch nach Kindern nicht erfüllt. Bitte halte dich dennoch mit Vorschlägen zurück. Sage nicht, dass noch Zeit ist, frage nicht, ob sie über Adoption oder Pflegekinder nachgedacht haben. Damit würdest du nicht auf die Betroffenen eingehen, sondern versuchen, dein eigenes Unbehagen zu lindern, indem du deren Problem “löst”.

 

Du kannst ihnen kein Kind schenken und wirst ihnen nichts vorschlagen können, woran sie nicht schon selbst gedacht haben. Wenn du helfen möchtest, kannst du sie fragen, ob und wenn ja, was du für sie tun kannst.

2. Trauer bei ungewollter Kinderlosigkeit ist real und sehr schmerzhaft

„Ich konnte mir nicht vorstellen, um ein Kind zu trauern, das es nur in meiner Vorstellung gab. Jetzt weiß ich es.” Das sagte eine niedergeschlagene Klientin, deren Kinderwunsch auch nach mehreren künstlichen Befruchtungen unerfüllt blieb. Selbst Betroffene wissen oft nicht, dass sie trauern und dass es nicht nur akzeptabel, sondern notwendig ist, zu trauern.

 

Versuche bitte nicht, die Trauer eines unfreiwillig kinderlosen Menschen zu relativieren, ihn dafür zu verurteilen oder zu bemitleiden. Besser ist Mitgefühl. Mitgefühl  bedeutet, für Betroffene da zu sein, zuzuhören und deren Schmerz auszuhalten. Gemeinsame schöne Momente anbieten hilft an dieser Stelle viel mehr als gut gemeinte Tipps.

3. Trigger sind überall

Social Media, Bücher, TV-Sendungen, Werbung, Gespräche unter Freunden und am Arbeitsplatz scheinen oft auf der Annahme zu beruhen, dass es das Normalste der Welt sei, Kinder zu haben. Kannst du dir vorstellen, wie einsam, isoliert und anstrengend das für Menschen sein kann, die nicht freiwillig kinderlos sind?

 

Betroffene müssen lernen, damit umzugehen. Wenn du unterstützen möchtest, dann halte dir in Erinnerung, dass es nicht für jeden Menschen selbstverständlich ist, Kinder haben zu können.

4. Scham und Sprachlosigkeit

Viele kinderlose Menschen empfinden Scham darüber, etwas nicht zu schaffen, was anderen scheinbar leicht fällt. Im sozialen Umfeld machen sie die Erfahrung, dass ihr Kummer um die Kinderlosigkeit oft nicht gesehen oder anerkannt wird.

 

Beides führt häufig dazu, dass Gefühle nicht ausgesprochen werden, aus Furcht, dass diese beurteilt oder entkräftet werden. Aufmunterungen wie: “Ihr habt doch ein tolles Leben. Macht es Euch einfach zu Zweit schön.” sind bestimmt gut gemeint aber legen den Finger in die offene Wunde.

5. Keine Kinder zu haben kann genauso stark verändern, wie Kinder zu haben

Kinderlose Menschen führen nicht mehr das Leben, das Eltern vor der Geburt ihrer Kinder geführt haben. Die Erfahrungen verändern sie so tiefgreifend und dauerhaft, wie das Elternwerden die Menschen verändert.

 

Ihr Leben ist nicht so wie deines damals ohne Kinder. Die Freiheit der kinderlosen Zeit, nach der sich manch Vater und Mutter manchmal zurücksehnen mag, können kinderlose Freundinnen und Freunde, zumindest zeitweise als schwere Bürde erleben.

6. Wie denkst du über Kinderlose?

Was kommt dir in den Sinn, wenn im Kollegen- und Bekanntenkreis jemand kinderlos bleibt? Es gibt viele Klischees über Kinderlose: Karrierefrau, selbst schuld, wenn sie so spät mit der Familienplanung beginnen, egoistisches Paar, die mögen anscheinend keine Kinder, usw.

 

Super wäre, wenn du die Möglichkeit einer ungewollten Kinderlosigkeit mitdenkst. Vielleicht hat das Paar bereits viele erfolglose Kinderwunschbehandlungen hinter sich oder die Kollegin eine Erkrankung, die ihr eine Schwangerschaft verwehrt. Vielleicht  wurde der passende Partner nicht gefunden oder ein Partner will keine Kinder.

7. Die Trauer bleibt ein Leben lang

Die Trauer über den unerfüllten Wunsch nach eigenen Kindern verändert sich aber sie bleibt Bestandteil des Lebens. Sie wirkt sich auf einen Menschen in verschiedenen Alters- und Lebensabschnitten und zu verschiedenen Zeiten des Jahres aus.

 

Geschwister, Freundinnen und Kollegen bekommen Kinder, später Enkel. Weihnachten und Familienfeste können besonders hart sein, wenn man keine eigene Familie hat. Und viele kinderlose Menschen fürchten sich davor, ohne die Unterstützung von Kindern alt zu werden.

8. Gleich zwei große Prüfungen - Abschied und Neubeginn

Wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt, hört die Belastung nicht einfach auf.

 

Einen Kinderwunsch loszulassen und stattdessen einen alternativen Lebensplan zu entwickeln ist für viele Betroffene, insbesondere Frauen, eine schwere Lebensprüfung. Stell dir vor, dein Kopf sagt: “Schau endlich nach vorne, das Leben muss weitergehen“ und gleichzeitig klagt das Herz: „Ich will aber nicht aufgeben, vielleicht klappt es ja doch noch.“ Jeder Schritt nach vorne fühlt sich dann wie Verrat am Herzen an. Hinzu kommt, dass du gar nicht mehr weißt, was vorne ist. Bisher war vorne ein Kind bekommen, eine Familie gründen. Stattdessen ist da jetzt Leere.

 

Die innere Zerrissenheit, verbunden mit Gefühlen von Trauer, Schmerz, Verlust, Versagen, Wut und Ohnmacht, kostet immens viel Kraft. Die oft jahrelange Überbelastung kann psychische Erkrankungen auslösen und in existenzielle Krisen führen. 

 

Die Situation ist aber lösbar. Es ist möglich, Frieden mit dem Schicksal zu schließen und eine neue, erfüllende Perspektive für das Leben zu entwickeln. Das gelingt, wenn die ungewollte Kinderlosigkeit emotional verarbeitet wird.

 

Wenn deine Beziehung zu Betroffenen nah genug ist, könntest du ihnen helfen, indem du ihren Kummer ernst nimmst und sie ermutigst, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit geschulter Unterstützung geht es wesentlich leichter, den Kummer zu verarbeiten und den Blick für neue Perspektiven zu öffnen.

 

Unterstützend wirken können Hausärzte, Gynäkolginnen, Psychotherapeutinnen, Coaches, Pro Familia, Frauengesundheitszentren und weitere.

Suchst du Rat?

Wenn du unsicher bist, wie du dich gegenüber einem ungewollt kinderlosen Menschen verhalten sollst, dann hilft es, darüber zu sprechen. Kontaktiere mich gerne für ein kostenfreies Kennenlerngespräch. Gemeinsam finden wir bestimmt einen guten Weg.

Die Autorin

Claudia Moser ist zertifizierter systemischer Coach und zeigt Frauen, wie sie sich nach einem unerfüllten Kinderwunsch regenerieren und zu einer neuen, erfüllenden Lebensperspektive finden können. Sie ist selbst ungewollt kinderlos und lebt mit ihrem Mann in Reutlingen, liebt Trekkingtouren im Himalaya und spontane Kochabende mit Freunden.

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